Das Musische Lager 2018 ist Geschichte. Nun, nachdem wir aus dieser kurzen, aber erholsamen Auszeit zurück ins Alltagsleben geworfen wurden, ist es Zeit für einen kleinen Rückblick, solange die Erinnerungen noch frisch sind. Denn die Erlebnisse, Eindrücke und kreativen Momente waren zahlreich und verdienen es, hier ein wenig Aufmerksamkeit zu erhalten.
17. Oktober des Jahres 2018, etwa 11.30 Uhr. Die herbstliche Sonne späht zögerlich durch die Wolken, die den Großteil des Himmels bedecken. Ein kühler, aber noch nicht wirklich unangenehmer Wind zupft die gelben und roten Blätter von den Bäumen, die langsam auf die Dächer und Wege der Naturherberge Affalter hinabtrudeln. Auf dem von der Hecke umschlossenen Parkplatz hält ein Auto, öffnet seine Türen und entlässt die Mitfahrer in den überschaubaren Hof der idyllischen Anlage. Sie sind froh, nach anderthalb Stunden Fahrt endlich in diesem zwischen Chemnitz und Zwickau liegenden Ort angekommen zu sein. Man kann zwar noch keine Berge sehen, aber das Erzgebirge ist nicht mehr weit weg.

Die Pfadfinder werden, kaum dass sie die frische Luft einmal tief einatmen durften, auch schon von Nu begrüßt, die das ganze Lager zusammen mit Georg organisiert hat. Die beiden haben sich bereits seit Wochen und Monaten den Kopf zerbrochen, Pläne aufgestellt, eine Liste mit AGs ausgearbeitet, die Unterkunft gebucht und viele andere große und kleine Dinge ins Rollen gebracht, damit das Musische Lager ein voller Erfolg wird. Und sie haben offenbar ins Schwarze getroffen: mehr als 60 Pfadfinderinnen und Pfadfinder aus ganz Sachsen haben sich angemeldet! Das stellt sie natürlich auch vor Probleme. In den beiden Häusern ist nicht genug Platz für alle, einige werden also trotz der eher herbstlichen Temperaturen draußen schlafen müssen. Aber schließlich sind sie Pfadfinder und daher sowohl mit Wind und Wetter als auch mit verschiedensten Methoden zum Warmhalten vertraut.

Die ersten paar Teilnehmer müssen nicht lange auf die anderen warten. Nachdem sie sich die Beine vertreten und schon ein wenig das Haus erkundet haben, hören sie bereits von Ferne das Stimmengewirr und die Vielzahl an Schritten, die die große Gruppe der Zugfahrer ankündigen. Schon kommen sie die Einfahrt herauf und werden freudestrahlend begrüßt, viele haben sich lange nicht g esehen und fallen sich in die Arme, erzählen sich die neuesten Erlebnisse und Geschichten. Nachdem der erste Austausch langsam verklingt, beschließen die Jüngeren, also vor allem die Wölflinge und (Jung-)Pfadfinder, die Häuser in Augenschein zu nehmen und sich einen Schlafplatz zu sichern. Währenddessen streifen bereits einige Pfadfinder durch das Gelände, erkunden den etwas höher gelegenen Lagerfeuerplatz, die Wiese, auf der später die Jurten und Kothen aufgebaut werden, und den umliegenden Wald.

Schließlich kommt ein wenig später auch Georg mit dem Transporter an, der das Material für die Zelte und die Küche und weitere Kisten mit Decken und Fellen geladen hat. Seine Ankunft wurde schon sehnsüchtig erwartet, denn nun kann endlich die Zubereitung des Mittagessens beginnen, das die knurrenden Mägen füllen soll. In der Zwischenzeit werden die Zelte aufgebaut, die Umgebung inspiziert, Feuerholz gesammelt und die restlichen Schlafplätze verteilt.

Nach dem schmackhaften Essen wird das Lager dann in einer großen Nachmittagsrunde eröffnet. Die Pfadfinder spielen ein paar kurze Spiele, um wieder aus der satten Schläfrigkeit aufzuwachen, dann wird das Prinzip der AGs erläutert: bereits im Vorfeld hat sich jeder Teilnehmer aus der Liste der vielseitigen Angebote seine Favoriten herausgesucht und festgelegt. Nu und Georg haben dann mithilfe dieser Auswahlen versucht, einen Zeitplan zu erstellen und dabei alle Wünsche zu berücksichtigen. Leider können nicht alle Lieblings-AGs aller Teilnehmer stattfinden, dafür sind weder genug Zeit noch genug AG-Betreuer da. Doch man spürt trotzdem, wie die Aufregung durch den Kreis zieht, als verkündet wird, dass es jetzt sofort los geht. Mit freudig glänzenden Augen finden sich die Pfadfinder und Pfadfinderinnen in den Gruppen zusammen, die sie für den heutigen Nachmittag gewählt haben.

Und sie werden nicht enttäuscht! Schon der Einstieg verspricht Spaß, Kreativität und gute Laune. Eine Gruppe begibt sich mit Labbm, dem Küchenchef, zum hölzernen Unterstand, in dem sich das Waschbecken und die Töpfe, Schüsseln und Pfannen befinden. Unter seiner kundigen Hand wird Gemüse geschnippelt, Couscous zubereitet und Wasser gekocht. Nebenbei plaudert er aus seiner reichhaltigen kulinarisch-gastronomischen Erfahrung, gibt hilfreiche Tipps und lässt hier und da die eine oder andere Anekdote fallen.

Eine andere Gruppe hat sich währenddessen Nu angeschlossen, die sie zunächst in die Geheimnisse der Seifenherstellung einweiht. Nachdem sie so einiges an theoretischem Wissen in sich aufgesogen haben, geht es an die Praxis. Da heißt es, Farben und Gerüche fachmännisch zu mischen, verschiedene Kombinationen auszuprobieren und zu guter Letzt die Seife selbst zu kochen. So wird dort eine Vielzahl an bunten, duftenden Seifen fabriziert, die hoffentlich zu Hause zum Einsatz kommen.

Die nächste Gruppe wird von Tux angeleitet, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, allen Interessierten die Kunst des Gitarrespielens näher zu bringen. Wer ein solches Instrument schon einmal in der Hand hatte, wird sicher wissen, dass der Anfang, wie so oft, nicht allzu leicht ist. Dennoch klingen schon bald die ersten Akkorde und Harmonien durch die Abenddämmerung.
Für alle, die heute noch keine dieser oder all der anderen AGs belegt haben, stehen viele weitere kleine Beschäftigungen zur Verfügung. So werden die losen Legosteine an der einen Ecke des Hofes von flinken Händen geschickt zu Mauern, Türmen, Palästen, Fahrzeugen, Landschaften und kreativen Figuren zusammengesetzt. Am anderen Ende wetteifern ein paar Pfadfinder darum, wessen Seifenblase am größten ist, und etwas abseits gibt es einen Tisch mit Texten, Gedichten und Erzählungen für alle, die etwas zur Ruhe kommen wollen.

Schon bald macht jedoch die Botschaft die Runde, dass das Abendessen fertig ist. Der Abend wird mit dem Essen und einer gemütlichen Singerunde am Lagerfeuer beschlossen. Als zu später Stunde schließlich auch die letzten Gitarrenklänge langsam in der Nacht verhallen, liegen die meisten Pfadfinder schon in ihren warmen Betten oder Schlafsäcken, manche mit schweren Augen, andere von der Musik bereits sanft eingeschläfert.

Der nächste Tag startet mit einer Morgenrunde, dem Frühstück und einem Gruppenspiel wieder voll ins Programm. Natürlich finden heute nicht die gleichen Veranstaltungen wie gestern statt. Stattdessen gibt es beispielsweise eine Chor-AG, die einige Lieder (nicht nur) pfadfinderischen Ursprunges einstudiert, mit der Absicht, sie am letzten Tag aufzuführen. Einige Teilnehmer finden sich für ein handfestes Projekt zusammen: sie erschaffen in der freien Natur einen sogenannten „Escape Room“, in dem man sich von einem Hinweis zum nächsten arbeiten muss, um zur Lösung des Rätsels zu gelangen. Am Nachmittag wird dieser dann getestet und erhält große Aufmerksamkeit von den restlichen Pfadfindern. Aber auch ein Angebot zur absoluten Entspannung findet sich unter den AGs: von Nu angeleitet, treffen sich ein paar ältere Teilnehmer zu einem Massage-Workshop. Sie schaffen mithilfe von Duftkerzen und entspannender Musik eine ruhige Atmosphäre, in der sie sich gegenseitig mit und ohne Öl massieren und weit vom Alltagsstress wegtreiben.

Der Abend hält dann noch einmal eine kleine Überraschung bereit. Nach dem köstlichen Abendessen und einigen Gruppenspielen in der Dämmerung versammeln sich alle auf dem nahen Hügel, um trotz des leichten Nieselregens eine Aufnahme in die Gemeinschaft der Pfadfinder sowie die Verleihung mehrerer Knoten für die Halstücher zu zelebrieren. Da es danach bereits recht spät ist, fallen die meisten erschöpft in den Schlaf.

Des Morgens werden sie jedoch abrupt von den Klängen einer Fanfare wachgerüttelt, die aus den Instrumenten zweier Pfadfinder tönt und nicht nur durch das Haus, sondern auch durch den Wald hallt. Zum Teil stöhnend, zum Teil aber auch freudig oder schmunzelnd beginnen sie den neuen Tag, der wiederum mit einer Vielzahl an kreativen Möglichkeiten aufwartet. Mehrere Runden „Capture the flag“ nehmen eine geraume Zeit in Anspruch und sorgen für ausreichende Bewegung. Da die AG Schrottbasteln im Vorfeld nicht zustande kam, beschließt eine kleine Gruppe, zu einem nahe gelegenen Schrottplatz zu fahren. Mit der Erlaubnis der Zuständigen dürfen sie dort die nicht mehr benötigten Metallstücke und den Schrott durchsuchen. Und was sie für Schätze finden! Alte, glänzende Vasen, goldene Krüge und dergleichen mehr werden aus ihrem rostigen Grab gerettet und mit zurückgebracht.

Die Anderen haben sich währenddessen mit verschiedenen Versteck- und Fangspielen gründlich ausgetobt und sind nun, als sich die Sonne dem Horizont entgegen neigt, bereit für den letzten Abend des Musischen Lagers. Im großen Raum des Hauses versammeln sie sich mit Decken, Fellen und Liederbüchern und singen ein wenig im Kerzenschein. Dann beginnt das Pseudonym-Spiel, in dem man Namen erraten muss und welches sich bis tief in die Nacht herein zieht. Nach und nach lichten sich die Reihen, bis schließlich auch die Letzten dem Schlafdrang nachgeben und langsam zu Bett gehen, um von all ihren Erlebnissen zu träumen.

Der nächste Morgen ist geprägt von geschäftigem Aufräumen und Packen. Nicht nur die Zelte müssen die Pfadfinder abbauen, sondern auch die Autos beladen, ihre eigenen Sachen suchen und zusammenschnüren, und natürlich auch das Haus wieder in Ordnung bringen. Mit vereinten Kräften ist das aber kein Problem und so finden sich alle nach einem letzten gemeinsamen Mittagessen im Abschlusskreis wieder. In den Gesichtern der Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen ist das Bedauern zu lesen, dass das Musische Lager nun zu Ende geht. Aber hier und da kann man auch ein Lächeln sehen, dass von dem Spaß, der Freude und den schönen Ereignissen erzählt, die man als Erinnerung mit nach Hause nehmen wird. Und als der Kreis sich dann löst und die Pfadfinder auf verschiedenen Wegen wieder heimwärts ziehen, überwiegt vor allem die freudige Erwartung auf das nächste Musische Lager in zwei Jahren.

von Karpador

 

PS: Bei Karpador handelt es sich um Claudius, der nun in einer witzigen Begebenheit seinen Namen redlich verdient hat. Sprecht ihn doch einfach darauf an, wenn ihr ihn mal wieder seht, und hört euch seine Geschichte an.

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